Die Sache mit der Selbstliebe ...

Aktualisiert: 12. Juni 2019



Foto by ChambreSensuelle@alexanderuhr.de

... ist nicht immer einfach. Ist leichter gesagt bzw. gedacht als getan.

Wir reden, schreiben, lesen so viel über Selbstliebe, Selbstbestätigung, Selbstakzeptanz ...

Unser Verstand weiß, dass das eine gute Sache ist.

Wir posten Bilder, auf denen wir uns, unseren Körper, zeigen. Drehen auch mal Instagram Stories ohne Filter, ohne Make Up, mit schlechten Lichtverhältnissen, die uns nicht schmeicheln.

Ich frage mich gerade, ob ich das tue, um anderen zu zeigen, dass ich mich so mag, wie ich bin und um ein gutes Vorbild zu sein oder tue ich es, weil ich es mir immer noch selbst beweisen muss ...

Denn die Wahrheit ist: Ich lerne einen neuen Mann kennen und bin tatsächlich beinahe wieder in mein altes Muster gefallen. Er tut meinem Ego gut. Super gefährliche Situation für mich!

Wir machen einen kleinen Ausflug in meine Vergangenheit.

Ich war immer ein selbstsicheres Kind. Ich mochte/mag mich wirklich selbst. Zwischen 15 und 24 Jahren hatte ich tatsächlich eine Phase, in der ich Probleme damit hatte, meinen Körper anzunehmen, aber das ist ein anderes Thema. Mich selbst, also von der Person her, fand ich immer toll. Daran hat sich nie etwas geändert. Nur wusste ich, dass ich anders bin als die "Masse/Norm". Ich habe mit 14 noch mit meinen Barbies gespielt, was ich natürlich niemandem erzählt habe ... Jungs fand ich nie wirklich interessant, trotz, dass meine Sexualität bereits in meinem dritten Lebensjahr aktiv wurde. Aber es kam halt kein starkes Bedürfnis auf, sie mit einem anderen auszuleben. Das ging immer gut alleine.

Leider fing ich dann aber an, mich unter Druck zu setzen. Ich bekam plötzlich "Angst", mein Leben lang alleine zu bleiben, meine Jungfräulichkeit nie zu verlieren ... Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es jemanden gibt, der zu mir passt. Mit dem ich mich wohlfühle und der mit meiner "Eigenart" zurechtkommt. Daraus resultierte eine Unsicherheit und ein Mangeldenken bzw. eine Angst davor, tolle Erfahrungen zu verpassen.

So kam es, dass ich einen Jungen über schülerVZ kennenlernte. Wir schrieben ein 3/4 Jahr, bis wir zum ersten Mal telefonierten (dagegen hatte ich mich immer gesträubt, weil ich telefonieren hasse, aber nach so langer Zeit habe ich mich dann überreden lassen). Wir verstanden uns auch am Telefon sehr gut und konnten einige Gemeinsamkeiten feststellen. Drei Monate später kam er mich für vier Tage in Hamburg besuchen, damit wir uns endlich mal persönlich kennenlernen können.

Wir verstanden uns nach wie vor gut, aber ich spürte, dass er nicht zu mir passt. Mit seinem Humor kam ich überhaupt nicht klar. Die vier Tage über hatte ich starke Bauchkrämpfe und konnte kaum was essen, obwohl es vertraut zwischen uns war. Es fühlte sich nicht fremd an, sondern freundschaftlich.

Für ihn sah es aber anders aus, was meine Seele scheinbar spürte und unter Druck setzte, mir klar zu machen, dass ich aufpassen muss, keine falsche Entscheidung zu treffen ...

Dann meinte er am zweiten oder dritten Tag, dass er ja jetzt seinen Beziehungsstatus ändern könne. Ich war nicht mutig genug, um auf meine Intuition/Seele zu hören und habe ihm somit zugestimmt. Mein Kopf und mein Ego haben sich gefreut. Das war ja das, was ich wollte. Einen Freund und meine Jungfräulichkeit vor meinem 18. Geburtstag zu verlieren ...

Mit der Zeit gewöhnte ich mich an seinen Humor. Aber diese Beziehung basierte auf emotionaler Abhängigkeit. Denn ich liebte ihn dafür, dass er mir das Gefühl gab, gewollt und begehrt zu werden. Ich fühlte mich endlich mal normal und nicht wie ein Wesen, das auf dem falschen Planeten gelandet ist.

Die ganze Beziehung war von Anfang an für den Arsch, weil sie nicht auf aufrichtigen Gefühlen aufbaute. Seine "Liebe" war nie echt, sondern resultierte aus einer Minderwertigkeit, aus einem Mangel heraus.

Er kam vom Dorf und nun war da das hübsche Mädchen aus Hamburg, was ähnliche Interessen hat wie er ... eine Möglichkeit seinem Leben, was ihn unglücklich machte, zu entkommen.

Diese Minderwertigkeit seinerseits war ein großer Beziehungskiller. Er brauchte stark die Bestätigung anderer Mädels. Dadurch vermittelte er mir das Gefühl, dass ihm meine Bestätigung, meine Gefühle für ihn nicht ausreichen, woraus ich für mich den Glaubenssatz entwickelte, nicht gut genug für einen Mann zu sein. Und genau damit habe ich heute immer noch zu kämpfen.

Jetzt bin ich nämlich in der Situation, mich abhängig von der Bestätigung des Mannes gemacht zu haben. Aber da ich in den letzten vier Jahren immer wieder auf die Fresse gefallen bin, habe ich immer mehr gespürt, dass das so nicht weitergehen kann.

Der erste Schritt, den ich für mein Selbstwertgefühl getan habe, war die Sache mit dem Mann zu beenden, den ich Ende Februar 2018 auf einer Sugardaddy-Seite kennengelernt habe. Abgemacht war, dass wir nicht nur Sex haben, sondern auch gemeinsam etwas unternehmen. Denn ich weiß, dass ich das brauche. Es tut mir nicht gut, wenn es nur um Sex geht. Ich fühle mich dadurch ausgenutzt.

Die Abmachung wurde nicht eingehalten. Er sagte immer wieder, dass es nicht nur um Sex ginge, aber er hat gelogen. Es ging ihm in Wahrheit bloß um sein sexuelles Triebgefühl und ich war dafür da, um diesen Trieb zu befriedigen. Diese egoistischen Männer, die sich selbst nicht eingestehen können, dass sie mit einer Frau aus rein egoistischer Absicht Sex haben, tun mir wirklich leid.

Es tat mir so gut, die Sache von mir aus frühzeitig zu beenden und nicht darauf zu warten, dass es mir so schlecht geht, dass ich dem Mann unbequem werde und er den Schlussstrich zieht.

Und parallel habe ich diesen neuen Mann kennengelernt. Witziger Zufall, nech?

Vor allem, da ich gerade zu diesem Zeitpunkt zwei Wochen vorher den Blogbeitrag "Was ich mir wünsche" veröffentlicht habe. Und dann kommt ein Mann in mein Leben, der total gut zu dem passt, was ich in diesem Beitrag beschrieben habe.

Wir hatten keinen Sex beim ersten Date, was schon eine ganz neue Erfahrung für mich war, weil ich das gar nicht kenne, dass ein Mann sich selbst beherrschen kann und nicht direkt über mich herfällt, wenn sich die Möglichkeit bietet.

Zwischen uns ist irgendeine besondere Verbindung. Ich möchte darauf aber nicht näher eingehen, weil es hier nicht darum geht ;-)

Jedenfalls begegnet er mir völlig anders als alle Männer zuvor. Allein die Tatsache, dass er mit mir Dinge unternehmen möchte, ohne, dass wir hinterher Sex haben ...

Wow! Mein Ego fühlt sich wertgeschätzt ... Und das ist die Gefahr, in eine emotionale Abhängigkeit und Verschmelzung zu geraten. Dann brauche ich ihn, um mich gut zu fühlen und das ist für jegliche zwischenmenschliche Beziehungen Gift und vor allem für einen selbst.

Wenn diese schönen Gefühle so präsent und stark sind, vergisst man gerne mal, sich selbst zu reflektieren und vor allem: zu differenzieren.

Man begeht den "Fehler", das Gesagte überzubewerten. Zu denken, dass ihm diese Worte, die er ausspricht, emotional genauso viel bedeuten, wie mir selbst. Dabei sieht seine Realität wohlmöglich ganz anders aus.

Er kann ganz anders fühlen. Die Situation anders wahrnehmen, als ich es tue.

Wenn er sagt "Wow, der Sex war echt intensiv." und ich bestätige das, weil das auch die Worte sind, die ich wählen würde, um das gemeinsame Erlebnis zu beschreiben, bedeutet das aber nicht, dass wir die Situation emotional identisch empfunden haben. Das ist Differenzierung. Ich genieße für mich die Situation, wie ich sie für mich empfunden habe, aber es ist total in Ordnung, dass er sie anders empfunden haben könnte als ich.

Ein Beispiel aus der Vergangenheit:

Der erste Kerl, den ich nach der Beziehung mit meinem damaligen Freund, gedatet habe, hat nach dem dritten Date meine Hand in der Öffentlichkeit gehalten.

Das hat nicht mal mein Ex in unserer Beziehung getan. Demnach hat diese Geste für mich eine total starke, emotionale Bedeutung. Die ich auf ihn projiziert habe. Ich ging also davon aus, dass ihm total viel an mir liegen muss, wenn er meine Hand in der Öffentlichkeit hält.

Dem war aber nicht so. Für ihn war das etwas, was man auch tun kann, wenn man in keiner festen Beziehung ist. Hätte ich die Situation differenziert bewertet, hätte es mich nicht verletzt, als ich erfuhr, dass es für ihn nichts Besonderes ist.

Zurück in die Gegenwart.

Ich war jetzt also langsam wieder an dem Punkt, in mein altes Muster abzurutschen. Dieser Mann ist zum Glück so genial und in sich gefestigt ... er schützt sich! Und das ist super wichtig für ihn und auch für mich. Ich bewundere das total, wie geradeheraus er ist.

Wir hatten ein komisches Gespräch während einer Autofahrt. Das ging alles so schnell und ich wusste irgendwie nicht, was ich da gerade sage ... Ich bekomm den Kontext auch nicht mehr zusammen. Jedenfalls kam dann von ihm "Sind wir etwa ein Paar? Ne, wir sind kein Paar." ... Für mein Ego war das erstmal natürlich ein Schlag in die Fresse. Er lenkte das Gespräch direkt zu dem kleinen Ausflug, den wir demnächst machen wollen, um. Ob er das tat, um mir zu zeigen, dass er mich mit seinen vorherigen Worten nicht verletzen wollte und definitiv gerne mit mir Zeit verbringt ... Keine Ahnung. Reine Interpretation meinerseits. Ich war danach trotzdem total kalt zu ihm. Hab mich emotional abgegrenzt.

Dann wurde mir aber bewusst, dass meine Worte in ihm irgendwas ausgelöst haben müssen, was ihn eingeengt hat, was ihm Angst gemacht hat ... Und dann wurde mir auch klar, dass es auch nicht das ist, was ich gerade will. Er ist total mit sich selbst beschäftig, bei ihm stehen Veränderungen bevor. Darüber reden wir viel und ich spüre es auch.

Das letzte, was er jetzt gebrauchen kann, ist eine Frau, die seine Aufmerksamkeit braucht und möglicherweise Ansprüche an ihn stellt. Eine Beziehung bedeutet auch Arbeit.

Und wir beide sind aktuell in einer Phase, in der wir an uns selbst arbeiten müssen, um im Leben gesund und glücklich weiterzukommen bzw. weiterleben zu können. Und in dieser Phase begleiten wir uns jetzt. Er bereichert mich total, in der Hinsicht, dass ich neue Impulse bekomme, um an meinem Selbstwertgefühl zu arbeiten und ihm tun unsere Treffen ebenfalls gut. Wie lange das so sein wird, weiß keiner. Ob wir näher zueinanderfinden oder irgendwann wieder getrennte Wege gehen, wird die Zeit und die Erfahrungen zeigen. Was zählt, ist der Moment. Und im Gegensatz zu meinen bisherigen Erfahrungen, gehe ich immer glücklich nach Hause und freue mich auch darauf, ihn wiederzusehen.

Die Zeit mit mir alleine nutze ich, um mir selbst den Halt zu geben, den ich brauche. Denn das letzte, was ich will, ist wieder in die Rolle einer bedürftigen Frau zu fallen. Das wird mich am Ende nur wieder verletzen, weil ich meine innere Stärke und meine Liebe zu mir selbst verleugne. Und ich weiß, dass dieser Mann keine Lust auf eine Frau hat, die ihn braucht. Und ganz ehrlich: Ich selbst finde nichts unattraktiver, als einen Mann, der sich seine Bedürfnisse nicht selbst erfüllen kann.

Im Moment lese ich ein Buch, was mir viel bestätigt, was ich schon wusste, aber auch einige neue Impulse und Erkenntnisse gibt. Beim Lesen der Zeilen geht es immer mehr in Fleisch und Blut über. Denn es reicht nicht, es nur zu verstehen. Man muss es fühlen, um es so richtig zu begreifen und, um in der Lage zu sein, es im realen Leben aktiv umzusetzen.

Das Buch heißt "Die Psychologie sexueller Leidenschaft" von David Schnarch.


Definitiv mein neues Lieblingsbuch! Ich kann es jedem empfehlen, der Probleme in seiner Beziehung/Ehe hat und ist natürlich auch für Singles lesenswert. Denn man kann mit dem Wissen schon vieles im Vorfeld vermeiden und die Zeit, die man allein ist, dafür nutzen, um an sich zu arbeiten.

Denn es ist möglich, einen Menschen zu lieben, ohne das Risiko einzugehen, verletzt zu werden. Diese Liebe ist bedingungslos und erwartet nicht, erwidert zu werden.

Ich möchte nicht mehr aus dem Mangel heraus lieben. Ich möchte nicht mehr lieben, um geliebt zu werden. Das ist ein hochgestecktes Ziel, aber ich weiß, dass es sich lohnen wird. Egal, wie viele Rückschläge ich noch einstecken muss, irgendwann bin ich so weit.

Danke für deine Zeit und Aufmerksamkeit <3

XXX

Katie

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#Beziehungen #Selbstliebe #Erkenntnis

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