Über Machogehabe & Pseudodominanz



Ich greife mit diesem Post meine letzte intime Erfahrung auf. Es sind einfach ein paar Gedanken, die mir dadurch gekommen sind und die ich hier gerne loswerden möchte. Weil ich befürchte, dass die folgenden Worte die männliche Gattung mal wieder in einem schlechten Licht darstellen könnten, werde ich in naher Zukunft auch mal die "Problematik" aufgreifen, die ich mit meiner Weiblichkeit habe, sollte ich es schaffen, Worte dafür zu finden ...

Ich möchte nicht, dass der Eindruck entsteht, dass ich mich über die Männer stelle und irgendwie besser bin. Definitiv ist das nicht der Fall. In diesem Jahr wurde ich sehr oft mit meinem "Problem" konfrontiert. Und eine richtige Lösung habe ich dafür auch immer noch nicht gefunden, was auch daran liegen mag, dass ich nicht aktiv nach einer Lösung suche. Ich hoffe darauf, dass der Knoten einfach irgendwann platzt. Über diese Konfrontationen etc. schreibe ich dann aber mal in einem ehrlichen Beitrag über mich als Frau. Um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Ist nur fair ;-)

Und wie immer gilt: Meine Thesen entstehen aus meinen Erfahrungen und beleuchten nur eine Perspektive. Man kann alles aus verschiedenen Gesichtspunkten betrachten, nicht alle sind gleich etc. ... dessen bin ich mir bewusst und du dir hoffentlich auch. Es klingt gerne nach Pauschalität, aber in meinen Augen existiert sie nicht. Nur kann ich es eben nicht allen Menschen (Perspektiven) Recht machen und habe auch keine Lust, jedes Mal über das große Ganze zu schreiben und ja, ich rechtfertige mich schon wieder. Darin bin ich sehr gut, da es mein Grundbedürfnis ist, verstanden zu werden, was ich immer noch nicht ablegen kann.

Vorwort. Ende.

Manche meiner Gedanken entstehen erst im Austausch mit anderen. Im Austausch über meine Erfahrungen, über deren Erfahrungen. Dadurch werde ich zum Nachdenken angeregt bzw. meist kommen die Gedanken total impulsiv. Sie sind plötzlich einfach da, ohne, dass ich großartig nach ihnen suchen musste.

Die Antwort kommt also oft schon, bevor die Frage überhaupt vorhanden ist ... klingt verwirrend.

Die Frage lautet: Warum meinen manche Männer, sie seien dominant, obwohl es in meinen Augen überhaupt nicht der Fall ist? Klar, möglicherweise definieren sie es einfach anders. Ich glaube jedoch, dass sie sich keinerlei Gedanken darüber machen, was Dominanz bedeutet beziehungsweise, was es für andere bedeuten könnte, was Dominanz eigentlich ausmacht ... Irgendwo existiert die Definition, dass ein Mann, der sich nimmt, was er will, sagt, wo es lang geht, als dominant gilt. Diese Definition haben sich einige zu eigen gemacht.

Sie glauben, dass ein Mann hart und rücksichtslos sein muss, eine Frau einfach benutzt, wie er es will ... das macht einen richtigen Mann aus. Das lässt ihn dominant und männlich erscheinen.

Ich habe mittlerweile schon mit recht vielen Männern geschrieben und es gibt wirklich einige, die diesen Glaubenssatz vertreten. Die meinen, dass sie richtig dominant sind, wenn sie eine Frau hart rannehmen. Jeder hat seine eigene Wahrheit und lebt in seiner eigenen Realität. Meine ist es nicht. Von Männer, die so denken, habe ich folgende Meinung:

Sie sind in Wahrheit unsicher und möglicherweise wurden sie in ihrer Männlichkeit verletzt oder haben sie schlichtweg noch nicht gefunden und jagen deshalb gewissen Verhaltensmustern hinterher, um eben von sich behaupten und denken zu können, sie seien ein wahrer Mann. Ein Held (Tier) im Bett.

Ich empfinde es als sehr unmännlich, wenn ein Kerl mit seiner körperlichen Überlegenheit prahlt und egoistisch ist.

Dominanz finde ich darin nicht.

Ich möchte dem angeblichen sadistischen Dom, mit dem ich zuletzt intim geworden bin, nicht zu nahe treten, aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass er mit dem "harten" Sex, den er meint zu bieten, seinen kleinen Penis versucht zu überspielen.

Es gibt echt einige Männer, die sich über ihre Penisgröße definieren. Vor allem Männer mit einem großen Glied meinen gerne, sie seien Gott. Großer Schwanz = ganz viel Männlichkeit = ganz viel Macht. Ich kann mir daher vorstellen, dass er auch diesen Glaubenssatz in sich trägt und sich in Wahrheit eben überhaupt nicht männlich fühlt, weil sein Penis keiner riesen Keule gleicht. (Dieses Problem kennen manche Frauen mit kleinen Brüsten mit Sicherheit auch ...).

Nun hat er also für sich den Weg gewählt, schnell und rücksichtslos in die Frau einzustochern, ihr mit seiner Hand um ihren Hals klar zu machen, dass er die Macht hat und sie ihm hilflos ausgeliefert ist. Er pinkelt sie ohne vorher zu fragen an, um sie zu erniedrigen und sich selbst das Gefühl zu geben, über ihr zu stehen ... mag bei der einen oder anderen funktioniert haben. Vor allem bei Frauen, denen es genügt, dass ihr Körper dominiert wird. Mir reicht das nicht. Ich will nicht, dass mein Körper dominiert wird – was mit ihm gemacht wird, ist mir relativ egal – ich will, dass meine Seele dominiert wird.

Was nicht funktioniert, wenn ich in die Augen des Mannes blicke und seine verletzte Seele erblicke, seine Unsicherheit sehe. Wenn ich erkenne, dass sein Ego es nötigt hat, sich durch Gesten und Worte über mich zu stellen, sehe ich nur Hilflosigkeit und Minderwertigkeit. Denn ein wahrer Mann, der sich selbst liebt und schätzt, hat dies nicht nötig.

Ich möchte ihn dann heilen, etwas geben, damit er sich besser fühlt. Ich wünschte, ich könnte ihm klar machen, dass seine Penisgröße egal ist und nichts über seine Männlichkeit aussagt und er es nicht nötig hat, den "dominanten" Mann raushängen zu lassen. Dass er mir nichts beweisen muss und sich selbst auch nicht. Aber warum sollte ein Mann, der eine Frau ein paar Stunden kennt, glauben, was sie da sagt? Sie maßt sich an, zu glauben, sie hätte ihn durchschaut. Sie würde ihn sehen. Nein, das mag das Ego nicht. Es würde ihm sagen, sie sei arrogant und hätte keine Ahnung. Daher halte ich die Klappe und schreibe meine Gedanken in meinem Blog nieder.

An jemanden, der seine Männlichkeit unter Beweis stellen musste, bin ich dieses Jahr schon einmal geraten. Nur hat er keinerlei dominantes Verhalten im Bett gezeigt. Ich könnte jetzt ganz frech behaupten, dass es daran lag, dass er seinen Penis total abgefeiert hat und es erregend fand, wenn ich ihm sagte, wie toll doch sein Glied sei und er es somit im Bett nicht für nötig hielt, seine Macht zu demonstrieren, denn das tat ja sein Penis bereits für ihn ...

Nein, er musste mir seine Männlichkeit anderweitig unter Beweis stellen. Indem er mir erzählt, dass er zum Schießen geht und welche Gewehre er toll findet, indem er mir ein perfektes Rinderfilet, welches er auf seinem Weber-Grill gegrillt hat, auf den Teller legt, indem er mir von seinem beruflichen Aufstieg erzählt und davon, wie er vor kurzem laute Jugendliche vom Hof verjagt hat, indem er mir ein Video zeigt, in dem er viel zu schnell mit seinem Auto fährt ...

Diese unbewusste Unsicherheit, die versucht wird, zu verstecken, mit Verhaltensmustern zu überspielen, von denen man glaubt, dass sie in der Gesellschaft als männlich gelten, sorgt dafür, dass ich einen Mann nicht als dominant wahrnehmen kann. Ich finde es schade, dass manche Männer denken, sie müssten einem gewissen Bild gleichen, um männlich zu wirken. Männlichkeit muss nicht bewiesen werden. Ich denke, die Männlichkeit liegt darin verborgen, sich so anzunehmen, wie man ist. Mit seiner Verletzlichkeit, mit seiner Unsicherheit, mit seinem kleinen Penis. Und die Idee, wie ein Mann zu sein hat, abzulegen.

In einem anderen Blogbeitrag werde ich mal darauf eingehen, was Dominanz für mich bedeutet. Es ist ziemlich deutlich, dass Dominanz und Männlichkeit für mich nahe beieinander liegen. Vielleicht schaffe ich es, meine Vorstellung, wie ein erstes Treffen oder eine Session in meinen Augen ablaufen sollte, um einen Mann als dominant wahrzunehmen, zu schildern. Schwierig, wenn man diese "perfekte" Erfahrung bisher noch nicht gemacht hat.

Verzeih mir bitte die vielen Wortwiederholungen ... selbst für ein Trinkspiel sind es wohl zu viele ... :D

XOXO

Katie


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