Monogamie - Heuchelei, Angst & Unbewusstheit



Ich mache mir gerne über zwischenmenschliche Beziehungen jeglicher Art Gedanken und frage mich, was die Gründe einer Trennung bzw. einer unglücklichen Partnerschaft sein könnten.

Einen Teil meiner Gedanken möchte ich nun in diesem Beitrag loswerden.

Oft schon habe ich von Menschen gehört oder es gelesen, dass Monogamie unrealistisch sei.

Was ich auf der einen Seite nachvollziehen kann, auf der anderen aber überhaupt nicht.

Denn ich bin der Meinung, dass Monogamie nicht bloß ein Beziehungskonzept ist, an welches man glaubt, sondern, dass dieses Bedürfnis tief in einem verwurzelt sein kann.

So, wie es bei mir der Fall ist. Obwohl ich nicht behaupten werde, dass sich das nie ändern wird.

Ich bewundere zum Beispiel das polyamore Beziehungskonzept. Mir gefällt der Gedanke, nicht bloß einen Menschen zu lieben und auch, dass sollten diese geliebten Menschen um mich herum andere lieben und geliebt werden, dass es mich glücklich macht.

Aber mein Bedürfnis ist es eben nicht.

Einmal, ist noch gar nicht so lange her, da dachte ich, ich sei polyamor. Ich hatte jemanden kennengelernt und für mich war von vornherein klar, dass mehr als etwas Sexuelles nicht laufen wird. Er wollte jedoch mehr und irgendwie habe ich mich verunsichern lassen und wollte ihm plötzlich eine Chance geben. Obwohl ich eigentlich überhaupt nicht in der Phase war, mich zu binden. Ich war gerade in der Phase möglichst viele neue Erfahrungen zu machen und das auf sexueller Ebene bzw. ich wollte verschiedene Männer kennenlernen. Sehen, wie menschlich unterschiedlich sie sind. Also passte es mir überhaupt nicht, mich festzulegen.

Nach dem nächsten Treffen, welches mit dem Wissen stattfand, dass wir uns jetzt näher kennenlernen, hab ich mich total schlecht gefühlt. Mich suchten depressive Gefühle heim.

Und ich wusste nicht warum.

Ich legte mich ins Bett und begann mich zu fragen, was gerade falsch läuft. Das Treffen war in Ordnung bzw. nicht schlechter als die anderen beiden zuvor. Aber umso mehr ich darüber nachdachte, umso mehr wurde mir klar, dass mir das Treffen eigentlich überhaupt nicht gefallen hat und ich mir in keiner Weise vorstellen kann, mit diesem Mann zusammenzukommen.

Nur hatte ich vorher viele Gespräche mit meiner Mom und sie ist eben der Meinung, dass man einen Menschen erstmal richtig kennenlernen muss, bis man weiß, ob es passt oder nicht.

Ich bin auch immer noch der Meinung, dass sie nicht unrecht hat, ABER ... ich höre nur noch auf meine Intuition. Egal, ob andere dann meinen, ich sei oberflächlich oder sonstiges. Es hat sich für mich so falsch angefühlt, dass ich depressiv wurde. Gott sei Dank, bin ich ein Mensch, der solche Gefühle mittlerweile nicht mehr ignoriert, sondern hinterfragt.

Und ich weiß noch, wie ich an meinem PC saß und mir plötzlich der Gedanke kam "Du willst polyamor leben". Dieser Gedanke fühlte sich so gut an, dass meine depressiven Gefühle verschwanden.

Jetzt weiß ich, dass ich selbst nur eine Ausrede gesucht habe, um aus dieser Situation für mich selbst glaubwürdig zu entfliehen. Spannend, wie man sich selbst anlügen kann und das auch noch voll überzeugend. Ich konnte mir nicht eingestehen, dass ich ihm einfach keine Chance geben wollte. Erst mache ich ihm Hoffnung und nach nur einem weiteren Treffen will ich ihn aus heiterem Himmel doch nicht näher kennenlernen ...

Diese Polyamorie-Lüge habe ich aber nicht weitergetragen. Ich habe das Kennenlernen auch nicht direkt über WhatsApp beendet. Wir hatten beide keine Zeit für ein nächstes Treffen gefunden bzw. in der Zwischenzeit hat er Dinge von sich gegeben, die es mir leicht machten, dass Ganze dann zu beenden. Das nur als kleine Geschichte am Rande.

Ich glaube, dass sehr viele Menschen sich ihrem Bedürfnis gar nicht bewusst sind. Also auf das Konzept der Beziehung bezogen. In unserer Gesellschaft herrscht das monogame Beziehungskonzept und ich denke, dass viele Menschen den Glaubenssatz haben, dass nur eine monogame Beziehung moralisch vertretbar ist.

Ich finde es moralisch eher verwerflich eine monogame Beziehung einzugehen, obwohl man das Bedürfnis hat, auch mit anderen Menschen intim zu werden oder sogar mit ihnen eine Partnerschaft zu führen.

Wären sich die Menschen bewusst darüber, was sie brauchen und wollen und würden dies dann auch offen und ehrlich kommunizieren, würden weniger Beziehungen zerbrechen und weniger Herzen gebrochen werden.

Mein Ex-Freund ist ein Kandidat für eine offene Beziehung. Er war mein erster Freund und ich war seine erste Freundin. Wo soll man da wissen, was man will und braucht und was nicht ... daher werfe ich ihm auch nichts vor. Ob er bei seiner Neuen direkt mit offenen Karten gespielt hat und ihr gesagt hat, dass er eine offene Beziehung führen will oder ob er ihre eine monogame Beziehung vorgeheuchelt hat, um sie erstmal an ihn zu binden, weiß ich nicht. Ich weiß, dass er immer noch das Bedürfnis hat, auch mit anderen Frauen Sex zu haben und ich kann mir vorstellen, dass er es wie bei mir gemacht hat. Wenn man zu einem Menschen eine emotionale Bindung aufgebaut hat, möchte man ihn in der Regel nicht verlieren und geht dann naiverweise Kompromisse ein.

Ich war hatte damals vorgeschlagen, dass man zusammen neue sexuelle Erfahrungen mit anderen machen kann, aber da er zum Beispiel auf Parties meist mit schlechter Laune in der Ecke stand, war es klar, dass eh keine Dame mit uns mitkommen würde. Der Grund für unsere Trennung war letztendlich, dass unsere Bedürfnisse nicht konform miteinander waren. Er wollte totale Freiheit, was so oder so zum Scheitern verurteilt war, weil er Sex und Gefühle am Ende eben doch nicht trennen konnte.

In dem Moment, in dem man einen Kompromiss eingeht in dieser Hinsicht, ist die Beziehung zum Scheitern verurteilt. Denn man handelt gegen seine monogame Natur, nur, um den Partner nicht zu verlieren. Am Ende fühlt man sich bloß schlecht.

Es ist die eine Sache, ehrlich zu seinem Partner zu sein, die andere, ehrlich zu sich selbst zu sein.

Natürlich kann es auch anders sein, dass einer der beiden plötzlich eine offene Beziehung führen möchte und man selbst eigentlich auch, aber man sich trotzdem an die Monogamie festklammert. Nur aus Eifersucht, weil man sich selbst möglicherweise nicht genügend liebt.

Man steht sich selbst im Weg.

Mit diesem Beitrag möchte ich zum Nachdenken anregen. Sich selbst mal zu hinterfragen ...

Bin ich wirklich monogam? Kann ich mir wirklich vorstellen, den Rest meines Lebens nur noch mit einem Menschen Sex zu haben bzw. eine Liebesbeziehung zu führen?

Ficke ich eigentlich gerne herum, fühle mich aber alleine und gehe daher eine monogame Beziehung ein, obwohl ich von vornherein weiß, dass ich untreu sein werde?

Bedürfnisse können sich natürlich auch verschieben. Jetzt möchte ich vielleicht gerade herumvögeln, morgen wünsche ich mir vielleicht schon eine feste Beziehung. Und oft ist es ja auch so, dass man das haben will, was man gerade nicht hat. Menschen wollen immer mehr, immer alles.

Und leider vergessen sie oft den anderen dabei. Daher finde ich es so wichtig, sich seiner Bedürfnisse immer bewusst zu sein und gerade in einer festen Beziehung auch abzuwägen, ob das gerade vielleicht nur eine Phase ist oder, ob es mehr als das ist und dann das Gespräch mit dem Partner zu suchen. Aber auch darauf zu achten, dass dieser sich für einen nicht nach hinten stellt, wenn man gemeinsam nach einer Lösung sucht. Und manchmal ist die Lösung eben, getrennte Wege zu gehen, auch, wenn man sich vielleicht noch liebt.

Ich finde es traurig, dass Kommunikation oft so eine Hürde darstellt, dabei ist sie essentiell für eine lebendige Beziehung. Ebenso wichtig, wie sich selbst bewusst zu sein.

Ist jetzt vielleicht ein doofes Beispiel und vielleicht hast du auch keine Ahnung, von wem ich da jetzt rede, aber das junge Paar steht in der Öffentlichkeit und war aufgrund ihrer Trennung viel in der Presse. Dank Facebook, bekam ich nun auch davon Wind, dass Sarah und Pietro sich getrennt haben, weil Sarah ihn betrogen hat. Und, obwohl dass nun schon einige Monate her ist, wird sie immer noch mit Dreck beworfen. Mir tut es im Herzen weh, wenn Menschen nicht in der Lage sind, Empathie anderen gegenüber aufzubringen.

Nein, man beschimpft sie als Hure, anstatt sich mal hinzusetzen und zu überlegen, warum sie ihren Ehemann betrogen haben könnte. Da ich mich eben für Beziehungen interessiere, habe ich mir ein Interview von ihr angesehen und auch ein paar Sendungen aus der Vergangenheit, um mir ein besseres Bild machen zu können.

Sarah ist kein Kopfmensch. Sie ist ein Gefühlsmensch. Und sie hat sogar in älteren Sendungen in Interviews erzählt, dass sie sich nicht immer geliebt fühlt von ihrem Mann.

Pietro wurde daraufhin auch interviewt und beteuerte immer wieder, dass er sie liebt.

Kommen Kopfmensch und Gefühlsmensch zusammen, wird's schon schwierig, vor allem, wenn einer der beiden sich anscheinend nicht genug selbst liebt und dementsprechend immer wieder Liebesbeweise seines Partners braucht.

Wenn Pietro nun kein emotional handelnder Mensch ist, sondern einer, der es bloß über Worte mitteilen kann, Sarah es aber mit Leib und Seele fühlen muss und ihr Worte nicht ausreichen ... UND dann verbringt Sarah Zeit mit einem anderen Mann und der gibt ihr in dem Moment genau das, was sie braucht, dann handelt sie als Gefühlsmensch einfach. Sie überlegt vorher nicht, weil sie eben von ihren Emotionen geleitet wird und nicht von ihrem Verstand. Klar, dass Kopfmenschen jetzt meinen, sie sei dumm. Die können es eben nicht nachvollziehen. Da bei mir beides vorhanden ist, kann ich beide Seiten nachvollziehen.

Und es geht einfach nicht darum, was besser oder schlechter ist oder was richtig oder falsch ist.

Sondern schlichtweg darum, bin ich mir dessen bewusst, wer ich bin? Was brauche ich? Und natürlich auch den anderen zu sehen und zu verstehen. Wenn beide bewusst sind, dann ist es eben ein Leichtes, den anderen zu verstehen, weil man einfach in der Lage ist, zu kommunizieren, wie man sich fühlt etc.

Wäre Sarah sich nun ihrer mangelnden Selbstliebe bewusst und auch darüber, dass sie ein Gefühlsmensch ist, hätte sie mit Pietro ein lösungsorientiertes Gespräch führen können und entweder beide hätten es nochmal versucht mehr aufeinander einzugehen oder sie hätten direkt einen Schlussstrich gezogen, weil es einfach schwer ist, dass es funktioniert, wenn zwei unterschiedlich gepolte Menschen zusammentreffen.

Über das Fremdgehen und Gefühls- und Kopfmenschen hätte ich nun auch schon separate Blogposts schreiben können, aber da ich gerade durch das eigentliche Thema so ins Thema Kommunikation und bewusst sein, abgerutscht bin, wollte ich das eben einfach mit anschneiden, bevor ich diese Gedanken eventuell doch vergesse und dann nie wieder aufgreife :D

Ich habe fertig.

Bis dahin! <3

Katie

#Monogamie #Kommunikation #Beziehungen

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