Auch Männer dürfen weinen ...

Aktualisiert: 12. Juni 2019



Im Internet bzw. den sozialen Medien gibt es viele Bewegungen, die die Message "Girls support Girls" und "Frauenpower" vermitteln. Es gibt etliche Frauen, die anderen Frauen zeigen, dass sie so sein dürfen, wie sie sind. Dass sie zu ihren Körpern stehen sollen, ihre Sexualität frei ausleben dürfen, wie sie es sich vorstellen ... Sich frei zu machen von alten Glaubenssätzen, die sie glauben lassen sollen, wie sich eine Frau zu verhalten hat.

Das ist der Weg in die richtige Richtung.

Jedoch habe ich den Eindruck, dass es viel zu wenig Support für Männer gibt. Mir ist in den letzten Jahren kein einziges Profil auf Instagram aufgefallen, dass Männern vermittelt, dass sie kein Sixpack zu haben brauchen, dass jeder Penis toll so ist, wie er ist und vor allem, dass sie sich nicht für ihre Gefühle schämen müssen.

Und ohne jemandem zu nahe treten zu wollen: Aber ich glaube, dass gerade Männer Unterstützung brauchen, sich von den alten Glaubenssätzen zu befreien.

So viele Frauen arbeiten an sich, werden selbstbewusster, selbstsicherer und bauen eine Persönlichkeit auf, die nicht mehr von ihrem Ego gelenkt und kontrolliert wird.

Liebe Männer, wenn ihr nicht nachzieht, haben wir irgendwann wirklich ein trauriges Ungleichgewicht, welches es erschwert, zueinander zu finden. Weil Frauen einfach keine Lust mehr auf Männer haben, die oberflächliche Werte leben und sich von ihrem Ego lenken und leiten lassen.

Diese Welt braucht ebenso authentische, ehrliche, sich selbst bewusste Männer. Männer, die sich nicht über materiellen Erfolg definieren, sondern ihre wahren Werte leben. Männer, für die es ganz selbstverständlich ist, über Gefühle zu sprechen und sie auch zu zeigen.

Irgendjemand muss damit anfangen. Stärke und Mut beweisen. Andere werden nachziehen und anfangen, sich zu zeigen. Weil sie spüren werden, dass das der richtige Weg ist.

Statt euren Freunden Nacktbilder eurer Freundin zu schicken (Und ja, dass tun nicht nur Jungs, sondern auch Männer 40+ ...), um cool dazustehen oder mit eurer neuen Uhr zu protzen und euer Ego mit Anerkennung zu streicheln, solltet ihr euch vielleicht mal überlegen, was euch wirklich wichtig ist, aber wovor ihr die Augen verschließt, weil ihr denkt, dass sei unmännlich und uncool ...

Ich habe das Glück, einen Mann kennengelernt zu haben, der so unglaublich authentisch und aufrichtig ist und sich nicht hinter einer "Ich-bin-ein-richtiger-Mann-schau-was-ich-alles-erreicht-habe-Maske" versteckt.

Der Mann, den ich vor ihm kennengelernt hatte, war so einer. Nicht dermaßen offensichtlich, aber er hat mir von seiner tollen Wohnung erzählt und seinem schicken Gefährt ... Als ich dann zu ihm in die Wohnung kam, war ich enttäuscht. Er dachte wohl, dass ich aus sehr einfachen Verhältnissen komme ... Er lebte zwar in einer teuren Gegend, aber die Wohnung war kompletter Altbau und auch die Inneneinrichtung war schlichtweg gewöhnlich.

Man hat die Nachbarn duschen und staubsaugen gehört, was ich überhaupt nicht mehr gewohnt war. Den Ball flach zu halten, ist immer die bessere Strategie bei einem ersten Treffen.

Ganz anders hingegen war das erste Treffen mit dem tollen Mann danach. Er sprach über seine Gefühle, zeigte mir Bilder von ihm, seiner Mutter und ihrer Schwester aus dem letzten gemeinsamen Urlaub, wie sie Arm in Arm im Pool sitzen. Ich war zutiefst beeindruckt. Noch nie hat mir ein Mann bei einem ersten Treffen so viel von sich persönlich erzählt und gezeigt. Dass er zwei wirklich hochwertige Geschosse in seiner Garage stehen hat und ein mega schickes Haus besitzt, hat er in keinem Satz erwähnt.

Er ist der erste Mann, der mir ehrlich von seinen Gefühlen erzählt. Der mir erzählt, wenn er geweint hat, weil er nicht mehr kann oder etwas Trauriges passiert ist. Ich empfinde ihm gegenüber so viel Respekt. Noch nie hat mich ein Mann dermaßen beeindrucken können. Noch nie habe ich so viel Männlichkeit gespürt. Für mich besitzt er wahre Stärke.

Wenn ich Männer weinen sehe, zum Beispiel im TV, weil sie etwas tief berührt (egal, ob positiv oder negativ), muss ich mitweinen. Ich heule richtig. Das berührt mein Herz und ich wünsche mir jedes Mal, dass noch viel mehr Männer sich erlauben zu weinen und ihre Emotionen zuzulassen. Ich wünsche mir, dass sie aufhören zu denken, es sei unmännlich. Diese Idee von Männlichkeit muss überarbeitet werden. Denn sie macht nicht glücklich. Dieses Ideal von Männlichkeit frustriert.

Unter meinem YouTube Video zum Thema "Männlich und Jungfrau" bekomme ich so viele Kommentare von frustrierten und verletzen Männern, die alle unter diesem Idealbild leiden. Und statt sich dagegen zu wehren und die eigenen Werte zu leben und zur inneren Stärke zu gelangen, vergleichen sie sich mit diesem Idealbild und meinen, es sei der Maßstab, um Erfolg bei Frauen zu haben.

Ja, es gibt Frauen, die Männer wollen, die einen gewissen Status pflegen. Die sich in ein sicheres Nest legen wollen und mit der Kreditkarte ihres Mannes shoppen wollen ohne Limit. ABER diese Frauen würden ihre Werte hinterfragen müssen, wenn es keine Männer mehr gäbe, die ebenfalls nur ein hübsches Ding an ihrer Seite haben wollen.

Statt zu jammern, wie geldgeil Frauen doch sind und dass man nur Erfolg bei ihnen hat, wenn man ihnen Materielles bieten kann oder einen großen Schwanz hat, wäre es viel sinnvoller, seine Minderwertigkeitskomplexe nicht mehr mit Jammern zu kompensieren, sondern sich von diesem Bild, was man von Frauen hat, zu lösen.

Denn es gibt durchaus Frauen, denen innere Werte wesentlich wichtiger sind als Oberflächliches und Materielles. Beschäftigt man sich aber nur mit einem klischeehaften Frauen- und Männerbild, bleiben einem die anders denkenden Menschen verborgen. Oder noch besser: Man unterstellt diesen, zu lügen. Weil man so besessen ist, dem Klischeebild zu glauben, dass man Andersdenkende gar nicht in seiner Realität zu lassen kann. Denn würde man plötzlich erkennen, dass es Frauen gibt, die anders sind, könnte man ihnen ja nicht mehr die Schuld am Misserfolg beim anderen Geschlecht zuschieben. Die Ausrede, dass alle Frauen nur auf Geld aus sind, würde nicht mehr funktionieren. Dann müsste man sich an die eigene Nase fassen und sein eigenes Spiegelbild genauestens ansehen ...

Das kann unangenehm werden. Aber es lohnt sich.

Es lohnt sich, genau hinzuschauen und sich zu fragen, wo die eigne Verantwortung geblieben ist. Wo die innere Stärke sich verborgen hält und warum man seine Zeit mit Jammern vergeudet, statt die eigenen Werte zu erkennen und zu leben. Sich von den Werten anderer zu lösen. Ein Mann muss kein teures Auto fahren, keine Managerposition haben und keinen Anzug tragen, um ein vollwertiger Mann zu sein. Kein Mann muss sich diesem Bild unterordnen, nur, weil es Frauen gibt, die genau das aber wollen. Wenn das nicht deine Werte sind, dann bist du nicht verpflichtet, diese zu leben, nur, um es gewissen Frauen recht zu machen, die scheinbar ganz andere Werte haben als du. Was willst du mit solchen Frauen? Was willst du dir und ihnen beweisen? Das solltest du gar nicht nötig haben.

Und ich glaube, die Männer, die immer jammern und meckern, wie oberflächlich Frauen sind, sind genau die Männer, die keinen materiellen Erfolg haben, ihn aber gerne hätten, weil sie immer noch von ihrem Ego gefangen gehalten werden. Es ist purer Frust, pure Verzweiflung und Neid, der aus ihnen spricht und genau das macht sie unglaublich unattraktiv ... Dieser Mangel an Selbstreflexion und Bewusstheit.

Wenn du Bock auf finanziellen, materiellen Erfolg hast, dann go for it! Aber definiere nicht deine Persönlichkeit darüber. Verliere nicht den Zugang zu deinem Herzen und deiner unvollkommenen, vollkommenen Menschlichkeit. Dein Warum sollte nicht sein, Anerkennung zu ernten. Das Warum des Ziels bzw. der Sinn darin, sollte immer die Freude und der Spaß sein oder sogar einen tieferen Wert verfolgen.

Ich finde, wir sollten Klischeebilder nicht mehr als Vorlage und Maßstab nehmen, sondern wieder mehr zu uns selbst finden. Zu unserer Individualität. Weg von dem Bedürfnis nach Anerkennung von anderen. Hin zu der Fähigkeit sich selbst zu loben, für das, was man bis hierhin erreicht hat. Im Inneren wie im Äußeren.

Männer, ich würde es wirklich schön finden, wenn ihr euch gegenseitig unterstützen würdet, statt in einem Wettbewerb gegeneinander anzutreten. Wer hat die schönste Frau, wer fährt das dickste Auto ... das ist doch bescheuert.

Ich persönlich bemühe mich sehr, mich für euer Geschlecht einzusetzen und nicht ständig gegen euch zu stänkern. Das gelingt mir natürlich nicht immer, weil manche Exemplare einfach nur ein Kopfschütteln in mir auslösen, aber trotz meiner vielen negativen Erfahrungen, habe ich mich nie dem Glaubenssatz hingegeben, dass alle Männer gleich sind und es nur noch oberflächliche Idioten gibt. Ich halte meinen Blick offen und dadurch sehe ich so viele tolle Männer, die so herzlich, aufrichtig und authentisch sind. Das fühlt sich gut an und ist für mein Empfinden der richtige Weg.

Falls du Interesse an einer guten Lektüre hast, die sich mit dem Thema Männlichkeit und Weiblichkeit auf einer tieferen Ebene befasst, kann ich dir das Buch "Königin und Samurai: Wenn Frau und Mann erwachen"* von Veit und Andrea Lindau empfehlen.

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