Veränderung - Der Ruf meiner Seele

Aktualisiert: 12. Juni 2019



In den letzten Wochen beziehungsweise Monaten habe ich immer mehr gemerkt, dass sich in mir etwas transformiert. Ein anderes, neues Lebensgefühl ist dabei, sich zu entwickeln.

Ich nahm plötzlich wahr, wie sehr mich diese ganze Social Media Sache unterbewusst total stresste.

Die ganzen privaten Nachrichten zu beantworten ... Mit Leuten zu schreiben, die eigentlich nur Langeweile haben, sich mit mir ihre Zeit vertreiben wollten und dabei meine Zeit stahlen – meine Schuld, ich habe es zugelassen.

Dann täglich das Anschauen der Stories von den Profilen, denen ich folge, was noch nicht mal viele sind. Trotzdem nahm das eine ungeheure Zeit ein und um ehrlich zu sein, interessiert mich das meiste nicht mal. Unbewusst hatte sich in mir ein Pflichtgefühl eingenistet, mir täglich angucken zu müssen, was meine Bloggerkollegen und andere Leute so treiben. Dabei ist es doch vollkommen irrelevant, ob ich weiß, wer mal wieder wo im Urlaub ist oder wer was zum Mittag gegessen hat ... Es ist reine Ablenkung von meinem eigenen Leben. Während ich mir das Leben anderer angucke, verpasse ich mein eigenes.

Hinzu kam noch YouTube. Ich hatte "leider" gesagt, dass ich nach den täglichen Adventskalendervideos noch ein Feedback-Video zu jedem einzelnen Kalender hochladen werde. Sprich, ich habe mich selbst dazu verpflichtet, einige der Toys auszuprobieren, um nicht nur allgemein etwas über die Kalender sagen zu können, sondern ebenfalls zum Inhalt und ich weiß, dass das auch erwartet wurde.

Die Wahrheit ist, dass ich keine Lust hatte, die Sachen auszuprobieren. Privat nutze ich Toys suuuuper selten, weil ich keinen Bedarf habe. Ich brauche es schlichtweg nicht.

2017/2018 habe ich wirklich gerne Spielzeug ausprobiert, um darüber zu berichten, weil ich weiß, dass es öffentlich kaum Menschen gibt, die so offen und eben nicht nur oberflächlich über Lovetoys sprechen.

Nur entstand dadurch bei einigen der Eindruck, dass ich Lovetoys super finde. Ich weiß nicht, wie viele Nachrichten ich von Männern bekommen habe, die mich fragten, was denn mein Lieblingsspielzeug ist ... Ich weiß, dass da keine böse Absicht hintersteckt. Dennoch dachte ich, dass ich in meinen Videos deutlich gemacht habe, dass ich privat zum Beispiel gar nichts mit Vibration anfangen kann ... Auch in dem Video zum Womanizer 2Go kann ich mich erinnern, erzählt zu haben, dass ich mit dem Teil nicht mal zum Orgasmus gekommen bin.

Auch die Tatsache, dass ich so offen und locker über sexuelle Themen und Erfahrungen sprechen kann, haben einige vollkommen fehlinterpretiert.

Damit meine ich nicht, dass ich etliche Sexanfragen bekommen habe – zum Glück passiert das sehr selten. Ich meine damit, dass automatisch davon ausgegangen wird, dass ich erstens ein kommunikativer und aufgeschlossener Mensch bin, der total gerne neue Leute kennenlernt, um mit ihnen zu quatschen und sich auszutauschen und zweitens wird davon ausgegangen, dass mir Sex mega wichtig ist und vor allem, dass ich Sex brauche.

Beides entspricht nicht der Wahrheit. Ich habe am liebsten meine Ruhe und treffe mich nur äußerst selten mit Leuten. Mit Fremden, um einfach nur mal zu quatschen, sogar nie.

Sex ist mit dem passenden Menschen wirklich wunderschön, aber für mich dennoch nichts, worauf ich nicht verzichten könnte. Rein körperlich brauche ich es nicht. In einer Beziehung brauche ich es, aber das bezieht sich auf ein seelisches Bedürfnis.

Außerdem ist YouTube generell sehr energieraubend, weil man sich der Bewertung anonymer Internet-Kleingeister aussetzt. Jedes Mal mein Ego zu bändigen, mich zu erinnern, dass ich mich nicht mit deren Worten zu identifizieren brauche, weil ich weiß, wer ich bin, ist wirklich unglaublich energieraubend. An Tagen, an denen ich super gut drauf bin, ist das kein Problem. Ich lösche den Mist und denke nicht weiter darüber nach. Aber an Tagen, an denen mein Ego angepisst ist und sich allgemein über die Unwissenheit und fehlende emotionale Intelligenz in dieser Gesellschaft ärgert, kann ich nicht so einfach darüber hinwegsehen.

Es kostet mich Kraft, mich auf etwas anderes zu fokussieren und die negativen Emotionen hinzunehmen und wieder gehen zu lassen. In diesen Momenten frage ich mich oft, warum ich mir den Scheiß eigentlich antue ... Ja, ich erinnere mich dann natürlich auch an die ganzen tollen, lieben und motivierenden Nachrichten, die ich erhalte. Ohne das positive Feedback hätte ich den Kanal vermutlich schon eingestampft.

Jedoch lebe ich nicht, um es anderen Recht zu machen oder um anderen zu helfen. Das mag egoistisch klingen, aber in erster Linie muss ich glücklich und zufrieden sein. Und irgendwie habe ich mein Lebensziel aus den Augen verloren. Meine Gedanken kreisten zum Großteil nur noch um YouTube, Instagram, meinen Blog und wie ich den Menschen einen Mehrwert liefern kann. Wie ich sie zum Nachdenken anregen kann. Wie ich ihnen meine Werte vermittle, ohne aufdringlich zu wirken und missionarisch. Mir sind ein paar Ideen gekommen. Mit denen habe ich mich intensiv beschäftigt und sogar angefangen, sie umsetzen. Aber ich habe mich nie richtig gut damit gefühlt.

Im Januar habe ich dann den Onlinekurs Victory&Peace von Veit Lindau gemacht ... Und das erste Mal nach Monaten verschwand mein Stress, meine Unzufriedenheit, der Druck, etwas tun zu müssen. Ich habe mich befreit, leicht und unendlich glücklich gefühlt. Und das krasse ist, dass Veit mir kein neues Wissen verschafft hat. Ich wusste das alles. Ich hatte es nur vollkommen vergessen. Er hat mich daran erinnert. Ich genoss ein paar Tage mit Nichtstun beziehungsweise habe ich nur das gemacht, worauf ich Lust hatte.

Ich habe gemalt, gelesen, gebacken. Nichts von all dem war relevant für meinen beruflichen Erfolg oder relevant für die Menschen in "meiner Community". Das hat sich so gut angefühlt.

Ich ärgere mich ein wenig über mich selbst, dass ich in diese Falle getappt bin und mein "ICH" verloren habe. In der Vergangenheit habe ich Videos von YouTubern gesehen, in denen sie erzählten, welchen Druck sie sich selbst gemacht haben, weil sie dachten, sie müssen neue Videos produzieren, um die Leute bei Laune zu halten. Ich dachte, dass mir das nie passieren wird. Genau in dieser Situation befand ich mich nun nicht. Aber in einer ähnlichen.

Ich war so damit beschäftigt, wie ich mich nach außen zeigen möchte, wie ich die Aufmerksamkeit der Menschen wecke, ohne unauthentisch zu werden ... Was ich ihnen Interessantes liefern könnte, ohne meine Integrität zu verletzen.

Mein Fokus war also komplett aufs Außen gerichtet und nicht auf mich. Nicht auf das, was mein Innen sich wünscht.

Weil ich die ganze Zeit dachte, dass es wichtig ist, viele coole Leute um sich herum zu versammeln. Wer heutzutage Reichweite hat, bekommt Angebote von Firmen und verkauft natürlich einfacher seine eigenen Produkte ...

Ich liebe Marketing und vor allem liebe ich authentisches Marketing. Natürlich war der Sinn meines öffentlichen Auftretens im Internet, mir einen Namen zu machen, um meine Bücher an Menschen zu bringen, die es interessiert.

Der YouTube Kanal "Katie Pain" entstand eigentlich, weil ich dort meinen Buchtrailer hochladen wollte ...

Und auch mein Instagram-Seite sollte mich als Autorin zeigen und nicht als eine "Sex-Interessierte".

Ja, einige nehmen mich als Autorin wahr. Aber viele sehen in mir eine junge Frau, die Lovetoys liebt, der Sex unglaublich wichtig ist und die sich 24/7 nur mit dem Thema Sexualität beschäftigt. Ach ja ... und die nebenbei noch toll aussieht ...

Um jetzt zum Punkt dieses Blogbeitrags zu kommen: Ich habe mein "Ich" wiedergefunden. Und ich war sogar kurz davor, meinen YouTube Kanal komplett einzustampfen. Wie auch meinen Blog. Denn als ich den letzten Beitrag über devote Männer verfasste, spürte ich einen starken inneren Widerstand. Ich hatte keinen Spaß dabei. Ich dachte nur, ich müsse mal wieder etwas schreiben, was zum Thema Sex, BDSM, meine Erfahrungen passt.

Ich lasse aber alles, wie es ist. Bis auf meine Instagram-Seite. Dort habe ich einige Bilder gelöscht. Hauptsächlich die, auf denen Sextoys zu sehen waren.

Vor zwei Tagen habe ich ein neues Video auf YouTube hochgeladen ... Ich habe zwei (!) Stunden gebraucht, um es aufzunehmen. Normalerweise setze ich mich hin, rede und fertig. Eigentlich war ich in Stimmung, um mich nach einer 3 wöchigen Pause vor die Kamera zu setzen, aber irgendwas in mir hat sich dagegen gewehrt und an meiner Konzentration gezerrt. Das war ein richtiger Kampf.

Als das Video online war, hatte ich eigentlich auch überhaupt keine Lust, mich der Bewertung anderer Menschen auszusetzen. Im Moment würde ich mich am liebsten wie ein Maulwurf unter der Erde verkriechen, um dort in Ruhe mein Buch fertig zu schreiben.

Ich habe fast einen Monat gebraucht, um wieder in meine Schreibenergie zu kommen. Die Biografie von Stephen King hat mich total dabei unterstützt. Er sitzt jetzt wie eine kleine Figur auf meiner Schulter und immer, wenn ich gegen einen Widerstand stoße, frage ich mich, was Stephen jetzt tun würde.

Mein Fokus war in den letzten Monaten total auf Erfolg ausgerichtet und darauf, wie ich den Menschen dieser Gesellschaft etwas geben kann, was ihr Leben (ihre Beziehung zum Partner, zu sich selbst) positiv bereichert.

Ich dachte, genau das würde mich glücklich machen und erfüllen. Aber ich habe mich geirrt.

Das Schreiben macht mich glücklich. Ich bin zufrieden, entspannt und ausgeglichen, wenn ich in meine Geschichte abtauche und sie mit meinen Worten zum Leben erwecke. Dann verspüre ich Seelenfrieden.

Ich verbringe nun mehr Zeit mit Lesen, statt damit, in mein Smartphone zu glotzen. Ich habe in den letzten 2-3 Wochen drei Bücher gelesen. Normalerweise lese ich 3-4 Bücher in einem Jahr.

Beim Gassigehen mit unserem Hund denke ich darüber nach, wie die Geschichte weitergehen soll und habe plötzlich neue Einfälle. Diese Momente feiere ich und sie bringen mir die Lebensfreude zurück, die ich vermisst habe.

Ich werde meinen YouTube Kanal jetzt definitiv nicht löschen. Er ist ein Teil meiner Entwicklung. Ich weiß aktuell nur nicht, ob noch viele Videos folgen werden. Es ist ein Kooperationsvideo in Planung und ein paar Videowünsche von euch stehen noch offen ...

Generell möchte ich aber, was Lovetoys angeht, kürzer treten, da ich mich persönlich nicht damit identifizieren kann. Wenn irgendeine Weltneuheit erscheinen sollte, informiere ich euch gerne, aber ansonsten bin ich der Meinung, alles Gängige vorgestellt zu haben.

Über persönliche Erfahrungen werde ich ebenfalls nicht mehr berichten können, da sich in meinem Privatleben einiges getan hat und endlich mal Ruhe eingekehrt ist. Ich hoffe, dass bleibt so. Aber selbst, wenn sich unsere Wege aus irgendwelchen Gründen trennen sollten ... Mir kommt kein Mann mehr ins Bett, der sich nicht ernsthaft für mich interessiert! Ich werde keine Sexabenteuer mehr eingehen, nur der Erfahrung wegen. Die Zeiten sind vorbei.

Im Moment lebe ich nach dem Motto "Der Freude nach!". Ich tue kaum noch etwas, von dem ich denke, es tun zu müssen. Ich folge der Freude. Dem Spaß. Ich hatte mich in dem Leistungsdruck dieser Gesellschaft verfangen. Ich dachte, ich müsse mindestens 8 Stunden am Tag schreiben, weil das ja die reguläre Arbeitszeit eines Arbeitnehmers ist und hatte ein schlechtes Gewissen, wenn ich an einem Tag mal nicht produktiv war.

Die Deutschen denken leider, dass Spaß ja nicht ihre Rechnungen bezahlt ... Ich will so nicht leben.

Natürlich muss ich mich als Indie-Autorin um mein Marketing kümmern. Aber fürs Erste habe ich genug Energie ins Außen gesteckt. Jetzt bin ich nicht mehr die "Sexpertin", die "Toytesterin", die "Marketingausübende", die "Beziehungsratgeberin", die "Hobbypsychologin" ... Jetzt bin ich Autorin.


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